Sjælland Tag 1

Es ist Anfang August. Endlich etwas Zeit für ein bisschen Urlaub, natürlich in Dänemark.

Mein Plan sieht vor, die Insel Sjælland (auf deutsch Seeland) zu erkunden, wobei Kopenhagen dieses Mal leider am Rand liegen gelassen wird. Fünf Tage sind einfach zu wenig für beides. Dann ist Kopenhagen eben im nächsten Jahr dran.

Da ich dieses Mal ein festes Ticket im Voraus gebucht habe, fahre ich etwas eher in Berlin los. Kurz nach fünf Uhr Samstag morgens sitze ich im Auto und gebe Gas. Die Strassen sind wunderschön leer und bis nach Rostock brauche ich kein Navi. Mein Auto kennt den Weg ja mittlerweile auswendig. Kurz nach sieben Uhr bin ich bereits am Überseehafen Rostock. Ich nähere mich der Schranke und zeige meinen Ticketausdruck vor. Zurück bekomme ich zwei richtige Tickets für die Hin- und Rückfahrt und zwei Gutscheine, einen für Kaffee und einen für Tabak. Ich soll mich dieses Mal auf Spur 1 einordnen. An den ganzen Spuren angekommen, nehme ich die 1 und stelle mein Auto hinter einem Norweger ab. Somit bin ich in dieser Spur die Zweite. Auf Spur 6 hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Ich nehme meine Jacke, steige aus und schließe mein Auto ab. Es ist kalt! Ich überquere eine kleine leere Strasse und stehe am Kai. Hinter den Kränen auf der anderen Seite des Wassers drückt sich die Sonne zwischen den Kränen empor. In der Ferne sehe ich eine Fähre auf mich zukommen. Sie dreht und schiebt sich rückwärts an mir vorbei an ihren Anlegeplatz. Es ist die “ Tom Sawyer“ von TT-Line aus Trelleborg. Ich beobachte die Matrosen beim Befestigen der Fähre am Kai.

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Nach einer Weile gehe ich leicht durchgefroren zu meinem Auto zurück, setze mich hinein und frühstücke erst einmal.Der Blick auf die Uhr verrät mir, dass es nicht mehr lange dauert, bis meine Fähre ankommen müsste. Mittlerweile sind so ziemlich alle Spuren gut gefüllt, bei manchen kann man nicht mal mehr das letzte Auto sehen. Viele Leute laufen zum Kai der Scandlines-Fähren, um zuzuschauen, wie die ankommende Fähre anlegt.

Es ist kurz vor neun Uhr und die Fähre legt an. Sie öffnet langsam ihre hintere Klappe. Jetzt kommen viele der Zuschauer zurück zu ihren Autos gerannt, wahrscheinlich haben die Matrosen ihnen Beine gemacht, schließlich soll die Fähre ja sofort wieder beladen werden, um dann pünktlich abzulegen. Die ersten Autos und LKWs rollen aus der Fähre. Die meisten Autos kommen laut Kennzeichen aus Deutschland oder Dänemark. Während es oben noch raus rollt, werden unten bereits die ersten LKWs wieder hinein gelotst. Nach kurzer Zeit sind auch die letzten Autos vom oberen Deck gerollt und wir dürfen rein. Meine Spur fährt als Erstes. Ich rolle den Berg hoch, durch die ganze Fähre (Das hatte ich doch schon Mal!!!) und stehe ganz vorne an zweiter Stelle. Handbremse angezogen und den Gang eingelegt und schnell nach oben, bevor das Treppenhaus von den Reisebus-Insassen geflutet wird.

Ich begebe mich zum Außendeck und schaue zu, wie die Fähre weiterhin beladen wird. Das unterste Deck scheint bereits geschlossen zu sein. Am Deck darüber gibt es Stau. Irgendwann hat es dann auch das letzte Auto geschafft, die Heckklappe schließt sich und die Fähre legt ab. Als wir an Warnemünde vorbei schwimmen, liegt die ADIAmar vor Anker, wie fast immer. Natürlich genehmige ich mir heute zum frühen Morgen wieder einen Kaffee, nur mit dem Unterschied, dass ich dieses Mal einen Gutschein dafür habe. Die Fähre ist sehr voll. Ich suche mir einen der letzten Sitzplätze und fange an, meine Urlaubsroute zu planen. Spontan kommt mir die Idee zum Inselhopping.

Die Überfahrt geht heute relativ schnell, jedenfalls kommt es einem so vor. Das erste Mal merke ich auf einer Fähre den starken Seegang. Teilweise läuft man, als sei man betrunken.

Kurz nach halb elf kommt die Durchsage des Kapitäns, man möge sich doch zu den Fahrzeugen begeben, da die Fähre bald anlegen wird. Ich gehe runter und stelle mich vor das erste Auto an die Absperrung. Wir schwimmen in den Hafen von Gedser und der obere Teil des Bugs öffnet sich. Wenn man direkt dahinter steht, sieht es noch beeindruckender aus, als aus der Ferne. Die Fähre legt an, die Ampel schaltet grün und die Autos rollen los.

Von der Fähre kommt man direkt auf die Straße nach Nykøbing und obwohl man nur 80 km/h fahren darf, ist man relativ schnell dort. Ich nutze die Ortsumfahrung, da ich Nykøbing ja bereits in diesem Jahr besucht habe und für heute andere Ziele vor Augen habe. Nach kurzer Zeit bin ich auch schon auf der Autobahn E47 und rolle Richtung Kopenhagen. Es dauert nur wenige Minuten und ich bin am Wasser. Ich überquere die Højbroen, den südlichen Teil der Farøbrücken, und biege auf Farø ab. Ab hier nehme ich die Landstraße. Direkt an der Autobahnabfahrt gibt es einen großen Parkplatz, den ich nutze. Von hier kann man sich die Brücke genauer anschauen. Zudem sieht man in einiger Entfernung sowohl die Insel Masnedø als auch Vordingborg. Nach einer kurzen Pause fahre ich weiter.

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Es geht auf die Insel Bogø, wo ich einen weiteren kleinen Stopp am Hafen einlege. Als Geocacher findet man immer einen Grund irgendwo anzuhalten. Von hier geht es weiter auf die nächste Insel: Møn. Das östliche Ende der Insel ist mein Ziel. Da ich schon viel von Møns Klint gehört habe, möchte ich mir das natürlich auch live anschauen. Ich folge der Ausschilderung. Zwei Kilometer vor dem Ziel ändert sich der Straßenbelag von Asphalt auf ein Sand-Dreck-Lehm-Gemisch, was dank des Regens der Tage auch noch feucht ist. Es fährt sich aber besser als gedacht, bis auf diese bösen Schlaglöcher. Zum Glück ist wenig Verkehr, so dass ich auch mal großräumig ausweichen kann. Es ist halt nicht immer einfach mit einem leicht tiefergelegtem Sportfahrgestell. Oben angekommen, finde ich einen großen Parkplatz vor, trotzdem muss man ganz schön nach einer freien Lücke suchen. Als ich endlich an der Treppe zu den Kreidefelsen stehe, ärgere ich mich, dass ich nicht meine Gummistiefel angezogen habe. Laut Warnschildern ist unten ein relativ hoher Wasserstand, so dass man nur barfuß an den Strand gelangt. Es ist zwar August, aber mein Gefühl sagt mir, dass die Ostsee trotzdem kalt sein wird. Ich steige die Treppe hinab. Als ich fast ganz unten angekommen bin, wird mir klar, dass ich diese ganzen Stufen auch wieder hoch muss. Kein schöner Gedanke! An der letzten Stufe stellt sich heraus, dass man auch trockenen Fußes an den Strand gelangt. Ich wandere ein ganzes Stück in Richtung Norden. Genau wie auf Rügen soll man auch hier Fossilien finden können. Ich setze mich auf einen größeren Felsen und schaue mich etwas um. Als ich bereits wieder gehen will, springt es mir ins Auge! Eine versteinerte Tentakel. Hätte ich so etwas nicht schon zuvor an anderen Kreidefelsen gefunden, ich hätte es sicher ignoriert.


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Auf dem Weg zurück zur Treppe zeigt sich mir noch ein kleiner Hühnergott. Der darf natürlich mit. Die Treppen selber lassen sich leichter laufen, als gedacht. Oben angekommen, kann ich stolz verkünden, dass ich die 994 Stufen von Møns Klint gemeistert habe! Kaum stehe ich am Kassenautomaten um mein Parkticket zu bezahlen, fängt es an, in Strömen zu regnen. Ich renne zum Auto und fahre diesen tollen Weg wieder zurück. Mein Auto ist glücklich, als es endlich wieder Asphalt unter den Reifen hat.

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Ab Stege folge ich der Primärstrasse 59. Um von der Insel Møn nach Sjælland zu kommen, nutze ich die Dronning Alexandrines Bro, eine wunderschöne Bogenbrücke, die beide Inseln miteinander verbindet. Auf dem Plan steht eine weitere kleine Insel ganz in der Nähe. Ich folge meinem Navi. Die Straße wird immer schmaler und irgendwann lande ich auf einer Art Waldweg. Am Ende des Weges parke ich mein Auto an einer Weide. Ab hier geht es noch circa 500 Meter zu Fuß über einen Damm und eine Brücke auf die kleine Insel Langø. Der angepeilte Geocache zeigt sich schnell. Als ich wieder zurück bei meinem Auto bin, hat dieses bereits Freunde gefunden. Sechs kleine Rinder stehen direkt daneben und starren mein Auto an. Die ausgewachsenen Kühe stehen hingegen unbeeindruckt weiter hinten auf der Weide und widmen sich dem Gras.  Ich habe das Gefühl, dass Autos in dieser Gegend sehr selten sind.

Ab hier geht es jetzt zu meinem Hauptziel: Roskilde. Aber natürlich nicht auf direktem Weg über die Autobahn, sondern quer durch. Irgendwann lande ich auf der Primärstraße 14. Aufgrund einiger kleiner Dosen, die ich noch finden möchte, verlasse ich die Primärstraße und fahre Richtung Lejre. Auf dem Weg dorthin fällt mir auf, dass irgendwie alle Kirchen, die ich heute gesehen habe, gleich aussehen.

Als ich endlich in Roskilde an meiner Unterkunft ankomme, ist es bereits leicht dunkel. Da der hoteleigene Parkplatz komplett belegt ist, stelle ich mein Auto auf einem öffentlichen Platz ab. Mein Gepäck landet in meinem Zimmer und ich mache mich auf den Weg, noch ein bisschen die Stadt zu erkunden. Zuerst brauche ich etwas zu essen. Dank einer Reiseapp finde ich schnell ein italienisches Restaurant, welches sehr gute Bewertungen hat. Der Kellner versucht mich erst in Dänisch-Italienisch zu bedienen, merkt dann aber schnell, dass Englisch-Italienisch besser ankommt. Als er erfährt, dass ich aus Berlin bin, mischt er auch noch vereinzelte deutsche Wörter mit bei, die zwar inhaltlich nicht passen, aber immerhin richtig ausgesprochen werden. Das Essen ist gut und nicht zu teuer, zudem hält sich die Wartezeit in Grenzen.

Gut gestärkt laufe ich noch ein Stück durch die Stadt und lande letztendlich im Klosterkælderen, einer gut besuchten Bar mit einer riesigen Auswahl an Craft Beer! Ich lasse den Abend ausklingen und lande, nicht allzu spät, todmüde im Bett.

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