Århus (Aarhus)

Wie bereits im vorherigen Beitrag anfangs erwähnt, war mein eigentliches Ziel Århus. Oder nach neuer Rechtschreibung auch Aarhus, wobei mir persönlich das Å optisch besser gefällt als das doppelte A. Naja egal.
Von Jelling aus geht mein Weg über einige Dörfer zur Primärstrasse 30. Diese führt mich zur Autobahn E45 und von dort geht es ganz schnell nach Århus.

In der Stadt angekommen, ist mein erstes Ziel das Gewächshaus des Botanischen Gartens. Ich parke mein Auto auf einem kleinen Parkplatz am Eingang und gehe los. Sehr groß ist das Gewächshaus nicht, man benötigt also nicht allzu viel Zeit, aber wenn man es betritt und hindurch läuft, ist es, als sei man in einer anderen Welt. Tiergeräusche aus Lautsprechern unterstützen dieses Gefühl.

Danach geht es weiter in Richtung Innenstadt. Das Auto wird in der Nähe des Hauptbahnhofs abgestellt und die Parkuhr bringt mich zum verzweifeln. Zum Glück steht hinter mir ein netter Mann, der mir bei der Eingabe der Daten hilft. Und schwupp habe ich meinen Parkschein! Es geht zu Fuß durch die Innenstadt, genauer gesagt die Shoppingmeile. Ganz nett hier. Als bekennender Bierliebhaber muss ich natürlich einen Abstecher zum Mikkeller Shop machen. Die Auswahl ist riesig! Ich beschließe, am nächsten Tag erneut hier vorbei zu schauen, um mir ein bis zwei Flaschen mit zurück nach Deutschland zu nehmen. Irgendwann lande ich auf dem Street Food Market. Mir knurrt der Magen. Es ist die perfekte Gelegenheit, endlich etwas feste Nahrung zu mir zu nehmen. So etwas vergesse ich gerne mal auf Reisen. Es gibt eine Portion Curled Fries. Eine riesige Portion! Ich glaube, davon wär eine halbe Familie satt geworden. Danach gibt es noch das für mich erste dänische Bier IN Dänemark. Da ich mein Auto noch umparken muss, entscheide ich mich für ein kleines mit weniger als fünf Prozent. Für etwas Stärkeres habe ich sicherlich abends noch etwas Zeit.

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Die Uhr zeigt mittlerweile drei Uhr nachmittags an, Zeit für den Check-in. Für diese Nacht habe ich mir im Voraus ein Hotelzimmer gebucht. Es befindet sich ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof und der Bruuns Galleri, einem Einkaufszentrum. Der Check-in ist schneller getätigt als daheim im eigenen Hotel, wo ich ja normalerweise die Leute einchecke. Nachdem ich einen kurzen Blick ins Zimmer geworfen habe, beschließe ich, mein Auto umzuparken. Das Parkhaus in der Bruuns Galleri soll billiger sein als der Parkplatz, wo ich jetzt stehe. Wobei die zwei Wörter billig und Dänemark nicht wirklich zusammen passen! Im Parkhaus finde ich einen guten Platz, schnappe meine Tasche und bringe sie aufs Zimmer. Natürlich will ich nicht den Nachmittag im Hotelzimmer verbringen. Ich gehe zurück zu meinem Auto und entlasse mein Fahrrad, was im Kofferraum die ganze Zeit dabei ist, in die Freiheit. Zeit, Århus per Rad zu erkunden! So kann man mehr in weniger Zeit sehen. An der Stelle, wo eine Art Boulevard entlang des Flusses Å gebaut ist, erinnert es mich optisch an die Grachten in Amsterdam. Nur die Boote fehlen! Meine Route führt mich bergauf, bergab und wieder bergauf. Wer hat, verdammt nochmal, die Berge ins angeblich flache Dänemark gepackt?

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Irgendwann lande ich am Universitetsparken. Ein grüner Park mit einem kleinen See. Eigentlich ein nettes Plätzchen… Ich radele anfangs langsam hindurch, bis mir eine Krähe um die Nase kreist. Jetzt trete ich in die Pedale. Diese doofe Krähe scheint allerdings nix besseres zu tun zu haben, als mich anzuschreien und zu verfolgen. Als ich den Park endlich verlasse und in einigen Metern vor mir ein paar Häuser stehen, halte ich an. Ich kann die Krähe noch hören. Als ich mich umdrehe, entdecke ich sie auf einem Baum. Und schwupp kommt sie auf mich zu. Ich flüchte samt Fahrrad unter eine kleine Überdachung an einem Hauseingang. Diese Überdachung scheint dieses blutrünstige Tier abzuhalten. Ein Anwohner erklärt mir, dass dieser Vogel schon seit einiger Zeit die Menschen attackiert. Irgendwie gab es sowas doch auch mal daheim in Berlin?! Vielleicht sind die Krähen ja Geschwister…

In einem unbeobachteten Moment flüchte ich hinter dem Haus lang und setze meine Tour fort. Leider entscheidet sich der Wolkenhimmel dazu, sich etwas zu entleeren. Wäre es nur Nieselregen gewesen, hätte es mich nicht gestört. Aber duschen will ich dann doch lieber im Hotel und nicht draußen. Es geht also auf dem kürzestem Weg zurück zum Parkhaus. Klitschnass dort angekommen, darf mein Fahrrad, was komischerweise fast komplett trocken ist, wieder in seinen Kofferraum. Ich nehme meine kleine Reisetasche und mache mich auf in mein Hotelzimmer. Nachdem ich wieder trocken bin und es draußen dunkel ist, setze ich meinen Weg zu Fuß fort. Sehr motiviert bin ich mittlerweile nicht mehr. Also steuere ich nur ein Ziel an, was ebenfalls auf meiner Liste steht: Mikkeller! Eine dänische Craft Beer Bar mit Sitz in Kopenhagen. Århus hat zum Glück bereits eine eigene Bar eröffnen dürfen. Preislich unterscheidet sich die Bar nicht von der Zweigstelle in Berlin. Das hätte mich sonst auch gewundert. Ich genieße ganz genüsslich mein Bier. Zur späten Stunde breche ich auf, um die wenigen Meter zum Hotel zurück zu legen. Leider ist genau gegenüber meiner Bleibe noch eine Art Kneipe. Ach, ein weiteres Bier kann nicht schaden… Ich frage drinnen nach einer bestimmten Biersorte. Die Kellnerin grinst mich an. Sie hat dieses Bier, möchte aber, dass ich den Namen nochmal ausspreche, weil mein (nicht vorhandenes) Dänisch so niedlich klingt. Das scheint aber das Eis gebrochen zu haben. Sie versucht sich mit einigen Worten deutsch. Mittlerweile hat sich auch der Barkeeper zu uns gesellt und versucht sich ebenfalls in etwas deutsch, was er wohl irgendwann mal in der Schule gelernt hat. Ein netter Plausch. Nach diesem Bier falle ich in meinem Hotelzimmer, gegenüber der Bar, müde ins Bett.

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Mein Wecker darf am nächsten Tag etwas später klingeln. Wenn ich sage später, meine ich so etwas wie 08:30 Uhr! Ich hüpfe unter die Dusche, packe danach meine kleine Tasche und begebe mich zum Check-out. Danach verstaue ich meine Tasche im Auto und gehe noch einmal auf die Einkaufsstraße. Zeit für einen Kaffee und ein kleines Frühstück. Ein paar Postkarten dürfen natürlich mit

Gegen Mittag bin ich zurück an meinem Auto und mache mich auf den Heimweg. Danach geht es natürlich noch ans Meer, wenn man schon mal da ist. Am Osthafen genieße ich für eine Weile den Blick auf das Wasser. Leider ist auch dieser Augenblick irgendwann vorbei. Ich gehe zurück in mein Auto und fahre los. Wenn alles gut läuft, kann ich noch einen kleinen Abstecher an die Nordsee machen. Ich liebäugele mit Ribe. Leider regnet es immer noch. Bevor ich mit dem Auto die Stadt verlasse, schreit dieses noch nach Futter. Die nächste Tankstelle wird angesteuert. Bis jetzt habe ich keine Erfahrung mit dänischen Tankstellen. Mein Plan war auffüllen und bezahlen. Zapfhahn abgenommen, ins Auto gesteckt und gedrückt… schwupp geht ein ohrenbetäubender Lärm an der Tankstelle los! Erst jetzt sehe ich den kleinen Bildschirm neben der Zapfsäule und widme ihm meine Aufmerksamkeit. Hier muss man also zuerst die Kreditkarte autorisieren und darf dann erst tanken. Ok, dann folgen wir eben der Anleitung. Visa in den Automaten, Code eingeben und Sprit marsch. Der Herr an der Zapfsäule neben mir hätte mir notfalls sicherlich geholfen. Er hat das ganze Drama mitbekommen und amüsiert sich köstlich. Zum Glück kann ich mein Problem alleine lösen.img_1895

Über die Autobahn E45 geht es Richtung Süden. Eigentlich wollte ich ursprünglich später zurück fahren, aber mein Gefühl sagt mir, ich solle bereits Mittags die Heimreise antreten. Den ganzen Tag regnet es. So wird wenigstens mein Auto sauber. In Höhe Kolding ist der Regen dann aber so stark, dass es die Scheibenwischer nicht mehr schaffen. In der Ferne sehe ich viele große Blitze kerzengerade vom Himmel kommen. Den Donner kann ich im fahrenden Auto spüren! So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich fahre von der Autobahn ab und suche mir einen freien Parkplatz, ohne Bäume und ohne Laternen. Eigentlich will ich nur diesen starken Regenguss vorbei lassen. Dieser Regenguss entscheidet sich dann aber dazu, fast zwei Stunden über mir zu kreisen. Langsam bin ich genervt und weiß nun auch, warum mein Gefühl mich so zeitig aus Århus weggelotst hat. Nach einem gefühlten Jahrhundert kann ich meine Fahrt endlich fortsetzen. Aufgrund des Wetters natürlich eher langsam. Ich streiche den Gedanken Ribe aus meinem Kopf. Das würde bei diesem Wetter nix bringen. In Deutschland angekommen, hoffe ich, wieder etwas Zeit auf den deutschen Autobahnen rausholen zu können. Diese sind leider ebenfalls sehr nass und dazu noch gut gefüllt. Mit 80 km/h auf fast der gesamten Strecke bis Berlin brauche ich doppelt so lang wie auf der Hinfahrt. Spät in der Nacht komme ich endlich zu Hause an und der Regen ist auch endlich vorbei.

Gelohnt haben sich diese 1300km auf jeden Fall! Es war nur leider etwas zu wenig Zeit. Ein Besuch in Århus lohnt sich allerdings immer. Ich glaube, da muss ich nochmal hin!