Jelling

Mein Dienstplan verriet mir, dass ich Frühdienst und danach zwei Tage frei haben werde. Das heißt genügend Zeit für eine kleine Tour nach Dänemark. Nur wohin soll es gehen? Als erstes dachte ich an Odense, habe mich dann aber kurzfristig doch für Århus entschieden. Ich buchte für eine Nacht ein Hotelzimmer in besagter Stadt.

Der Tag des Frühdienstes ist gekommen. Das Auto steht gepackt abfahrbereit und wartet nur auf meinen Feierabend. Um 15 Uhr starte ich in Berlin. Mein heutiges Ziel kenne ich noch nicht, da ich nicht weiß, wie weit ich heute komme. Im Kofferraum habe ich natürlich mein Fahrrad, einige Liter Trinkwasser, sowie Kissen und Decke für eine Nacht im Auto.

Ich komme gut durch und das Wetter verhält sich bis kurz vor der dänischen Grenze auch akzeptabel. Gerade als ich Flensburg passiere, beschließt der Himmel, mein Auto waschen zu müssen. Im Grunde stört mich das nicht, wenn es nicht so verdammt kühl geworden wäre. Ich drehe die Heizung im Auto an. Im Juni!
Vor kurzem hörte ich, dass an der Grenze wieder Kontrollen durchgeführt werden. Ich habe Glück. Es gibt keinen Stau und die Polizei winkt mich ohne Kontrolle durch, das erspart mir einige Minuten.

Bei einer Pause auf einem kleinen Autobahnparkplatz suche ich mir ein Ziel für die heutige Nacht. Ich peile das Nordufer des Vejle Fjords an. Als ich Vejle erreiche, wird es bereits dunkel. Ich fahre noch über die Autobahnbrücke und verlasse dann die Autobahn. An einer Tankstelle hole ich mir etwas zum Essen und Trinken. Ich fahre am Ufer entlang, bis ich einen Parkplatz finde. Von hier aus wirkt die Autobahnbrücke viel beeindruckender, als man sie sich von oben vorstellen kann!

Ich verlasse mein Auto und gehe zum Strand. Es ist kalt, verdammt kalt! Ich setze mich wieder in mein Auto und werfe einen Blick auf mein Handy, in der Hoffnung, in der Nähe noch eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Die meisten Unterkünfte liegen über meinem Budget, sind ausgebucht oder der Check-in ist bereits geschlossen. Ich erweitere meinen Suchradius, ein paar Kilometer kann ich ja noch fahren. Ich buche mir ein Zimmer in 14 Kilometer Entfernung.

Mein Weg führt mich quer durch Vejle gen Westen. Nach einer Weile ist mein Handy der Meinung, ich solle rechts abbiegen. Gesagt, getan. Es geht eine schmale Straße durch einen kleinen Wald, bergauf und um scharfe Kurven. Ich bin etwas überrascht von dem Weg, aber wahrscheinlich ist er bei Tageslicht nur halb so wild. Ich erreiche den Ort Jelling. Irgendwo habe ich den Namen schon mal gehört, mir will aber nicht einfallen, wann und wo. Ich komme an einem Campingplatz vorbei und biege kurz darauf links ab. Ich habe das Gefühl, dass das Dorf hier schon wieder fast zu Ende ist. Kurz bevor sich mein Gefühl bestätigen soll, biege ich rechts ab und stehe auf einem Miniparkplatz, von welchem 5 Häuser abgehen. Sackgasse. Keine einzige Laterne weit und breit, die einem etwas Licht spenden könnte. Ich rufe die Nummer in meiner Buchungsbestätigung an und es stellt sich heraus, dass ich richtig bin. Ich parke mein Auto an der angegebenen Hausnummer und werde an der Tür empfangen. Anita begrüßt mich herzlich, richtet schnell das Bett her und zeigt mir ihr Haus. Sie ist selber überrascht, so spät noch eine Reservierung zu bekommen für den gleichen Abend. Ich hole meine kleine Tasche aus dem Auto und stelle sie neben mein Bett. Anita bietet mir noch etwas zu trinken an. Wir setzen uns ins Wohnzimmer und kommen ins Gespräch. Sie erzählt mir ein kleines bisschen über Jelling, dass ich das Musikfestival um fünf Tage verpasst habe. Daher kommt mir also der Name bekannt vor. Zudem gibt sie mir Tipps für Århus und sie erzählt mir, dass sie Berlin kennt. Wir sitzen weit über eine Stunde und quatschen. Kurz nach Mitternacht falle ich dann todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Anita bietet mir einen Kaffee an und wir reden noch ein bisschen am Frühstückstisch. Sie erzählt mir noch ein bisschen mehr über Jelling. Nach der Tasse Kaffee muss ich leider weiter.

Ich fahre meinen Weg ein Stück zurück, bis ich im Zentrum von Jelling bin. Dort stelle ich mein Auto auf den Parkplatz des Supermarktes und setze meinen Weg zu Fuß fort. Nach nur wenigen Schritten stehe ich vor einem der größten Grabhügel Dänemarks. Ich steige die Treppe hinauf. Von oben habe ich einen tollen Blick über Jelling zur einen Seite und die alte Wikingeranlage zur anderen. Als ich wieder unten ankomme, beschließe ich, mir die gesamte Anlage aus der Nähe anzuschauen.
Die Anlage ist riesig und sehr beeindruckend. Nach über einer Stunde komme ich wieder an meinem Auto an. Das Museum habe ich aus Zeitmangel ausgelassen.

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Ab jetzt geht es weiter Richtung Århus, aber davon berichte ich in meinem nächsten Beitrag.