Nykøbing Falster

Ein bisschen mehr als eine Woche ist mittlerweile vergangen und es ist bereits Mai. Ich habe wieder Fernweh! Fernweh nach Dänemark! Mit dem Auto geht es am frühen Morgen Richtung Ostsee, genauer gesagt zum Hafen Rostock. Mittlerweile weiß ich ja, wie man zum Parkplatz findet. Ich stelle mein Auto ab, lasse das Fahrrad aber dieses Mal im Kofferraum. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich noch fast eine Stunde Zeit habe, bis die Fähre ablegt. Ich laufe zum Scandlines Terminal um mein Ticket zu kaufen. Es ist Montag und wesentlich mehr Menschen haben heute die gleiche Idee wie ich: sie wollen oder müssen nach Dänemark. Nach einer kurzen Wartezeit halte ich mein Tagesticket in den Händen. Heute muss ich nicht selber über das Hafengelände zur Fähre fahren, ich lasse fahren. Vor dem Terminal ist ein Wartehäuschen. Ich setze mich auf einen der Plastikstühle und schaue nochmal in meine Tasche, ob ich meine wichtigsten Dinge dabei habe. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt endlich der Shuttlebus zur Fähre. Bei der Abfahrt, ist er gut gefüllt. Es geht durch die Schranke auf das Hafengelände, in großem Bogen um die wartenden Fahrzeuge herum bis zu einem kleinen Turm, welcher das Treppenhaus darstellt. Irgendwie muss man ja hoch auf die Fähre kommen. Oben im Warteraum stehen zwei ältere Pärchen, die das erste Mal einen Ausflug nach Dänemark machen. Als die Fähre anlegt, wirken sie total aufgeregt. Die Fähre steht, die Luke öffnet sich und … steht! Irgend woher kenne ich das doch. Einige Matrosen sammeln sich direkt am Anleger. Nach einigen Minuten öffnet sich die Luke dann schließlich doch noch vollständig. Unser Zugang zur Fähre wird endlich freigegeben und über eine kleine Brücke gelangen wir direkt in den Aufenthaltsraum für die Überfahrt.

Es ist wieder früh am Morgen. Ich hole mir zuerst einen Kaffee und begebe mich damit auf das Außendeck. Auf dem Weg dorthin entdecke ich, dass ich erneut auf der „MF Copenhagen“ bin. Wir zwei kennen uns ja schon. Die Fähre legt ab und schwimmt Richtung Ostsee. Als wir Warnemünde passieren, kann man auch heute ein großes Kreuzfahrtschiff begutachten. Es liegt die „Zuiderdam“ vor Anker.

Vor uns liegt die Ostsee mit leichtem Wellengang. Da es kühl wird, begebe ich mich ins Innere der Fähre. Ich ergattere den letzten Fensterplatz und genieße meinen Kaffee. Auf der Hälfte der Strecke begegnet uns die „MF Berlin“, auf ihrem Weg von Gedser nach Rostock. Kurz vor der Ankunft in Gedser kommt die übliche Durchsage, man möge sich bitte zu seinem Fahrzeug begeben. Diese kann ich heute getrost ignorieren, da ich über eine Brücke die Fähre verlassen werde. Aufgrund der Probleme in Rostock, wo die Ladeluke nicht öffnen wollte, haben wir fast 10 Minuten Verspätung. Direkt vor dem Hafengebäude fährt der Linienbus, welchen ich heute nehmen will. Ich hoffe, dass dieser Bus wartet. Die Fähre legt problemlos in Gedser an. Ich beeile mich, um zur Bushaltestelle zu gelangen. Zwar verlasse ich als erste das Hafengebäude, jedoch sehe ich vom Bus leider nur noch die Rücklichter. Also heißt es jetzt eine Stunde auf den nächsten Bus warten. Die beiden älteren Pärchen verlassen ebenfalls das Hafengebäude und begeben sich auf die Suche nach dem Bus. Es wird kühl und beschließe, im Hafengebäude zu warten. Früher diente dieses Gebäude als ein Bahnhof, heutzutage fährt jedoch kein Zug mehr hier her. Es ist eine große helle Halle mit einer kleinen Ausstellung über die Geschichte im Bahn- und Schiffsverkehr zwischen Dänemark und Deutschland. Mittig befindet sich eine alte kleine Lok, welche man auch besichtigen kann.

Irgendwann ist auch die Stunde rum und es hält ein Bus vor dem Gebäude. Mit meinen letzten Kronen bezahle ich mein Ticket. In Nykøbing werde ich mir wieder ein bisschen dänisches Geld besorgen. Zum Glück kann man fast überall mit €uro bezahlen, das Rückgeld bekommt man allerdings in dänischen Kronen. Der Bus fährt los, erst durch das Hafengelände, dann durch Gedser, wo er noch zwei Mal hält. Gut gefüllt verlässt er das Dorf. Der Bus nimmt nicht die Schnellstrasse, sondern fährt durch fast jedes Dorf, wo er mindestens ein Mal anhält. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir den Bahnhof von Nykøbing. Endstation. Im Bahnhofsgebäude befindet sich einer kleiner Supermarkt mit einer Backwarenabteilung. Da ich heute nur einen Kaffee hatte, besorge ich mir etwas zwischen die Zähne. Frisch gestärkt laufe ich die 900 Meter bis zum Guldborgsund Zoo. Es ist mitten in der Woche und kurz vor Mittag, dementsprechend ist es im Zoo relativ leer. Es ist ein schöner kleiner Zoo mit einem kleinen anschließenden botanischen Garten. In einer Ecke des Zoos schaut die ganze Zeit ein Lama über einen Hügel. Es erinnert mich an „Kaaaaarl“, ihm fehlt nur der Hut! Mein absolutes Highlight sind aber die Rentiere. Mit viel Glück hat man hier die Möglichkeit, eins zu streicheln. 

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Als ich den Zoo verlasse, entdecke ich eine Bushaltestelle. Der nächste Bus kommt allerdings erst in 40 Minuten. Ich beschließe, den Weg zurück ins Zentrum zu laufen.  Nach diesem kleinen Spaziergang lande ich in der Fußgängerzone von Nykøbing. Hier reihen sich viele kleine Geschäfte aneinander. Ich schlendere die Straße entlang und schaue mal hier und mal dort hinein. Genau so interessant wie die Geschäfte sind auch die Häuser selber.

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Ich laufe weiter, durch Straßen mit kleinen niedlichen Häusern, bis ich irgendwann am Hafen ankomme. Ein beschaulicher kleiner Hafen. Ich setze mich ans Wasser und schaue auf den Guldborgsund. Auf der anderen Seite des Wassers liegt die Insel Lolland, welche auch noch auf meiner to-do-Liste steht.

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Auf meinem Wege zurück beschließe ich, einen etwas anderen Weg zu laufen. Ich komme durch einen kleinen Park, wo sich die Bibliothek befindet. Hier im Park findet man einige Bänke zum Verweilen, eine Hand voll Statuen und einen kleinen Wasserlauf. Dieser wirkt größer und spektakulärer, als er wirklich ist, liegt es doch nur da dran, dass sein Fließbecken blau gestrichen ist. Ich lege eine kleine Pause ein.

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Es ist bereits früher Nachmittag und ich muss heute ja leider noch zurück nach Deutschland. Ich laufe langsam zurück zum Bahnhof. Der nächste Linienbus nach Gedser fährt in wenigen Minuten. Timing ist alles! Der Bus fährt wieder über die Dörfer von Falster. Die Straßen zwischen den Dörfern sind nicht die breitesten. Würde mir im Auto hier ein Bus begegnen, ich glaube, mein Auto würde freiwillig ins nächste Feld flüchten. Da der Busfahrer die Strecke zu kennen scheint, nutzt er die erlaubte Geschwindigkeit natürlich voll und ganz aus. Wir kommen in Gedser an. Da noch eine Weile Zeit ist, bis die Fähre ablegt, steige ich eine Station eher aus, direkt im Zentrum nahe der Kirche. Ich spaziere über das Hafengelände zum Terminal der Fähre. In der Ferne kann man die Umrisse der Fähre bereits erkennen. Ich gehe hoch auf die Brücke, von wo aus man auf die Fähre gelangt. Dieser Teil des Gebäudes ist fast komplett mit Glas umgeben. Heute kann man draußen in der Ostsee wunderbar die Windräder von Rødsand erkennen. Mittlerweile hat sich eines der älteren Pärchen von heute morgen zu mir gesellt. Die Fähre legt an. Es sind dieses Mal sehr viele Fußgänger an Bord gewesen. Als diese alle die Fähre verlassen haben, dürfen wir hinein. Natürlich gehe ich wieder aufs Außendeck. Ich sehe, dass ich dieses Mal die „MF Berlin“ erwischt habe. Diese Fähre ist zwar baugleich mit der anderne Fähre, welche ich bis jetzt immer hatte, und doch ist sie anders.

Vom Außendeck genieße ich die sonnige Aussicht über Gedser. In der Ferne kann man auch wunderbar Gedser Odde erkennen. Irgendwie weckt dies die Lust in mir, dort wieder hinfahren zu wollen. Das Jahr ist ja noch lang, vielleicht klappt es noch ein Mal. Die Überfahrt verbringe ich dann doch wieder im Inneren der Fähre.

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Draußen ist es leicht kühl und windig. Die Zeit vergeht wieder wie im Flug. Als man durch das Fenster, an welchem ich sitze, die deutsche Küste sehe, gehe ich wieder auf’s Außendeck.wir passieren Warnemünde und die „Zuiderdam“ liegt immer noch im Hafen. Da ich mich dieses Mal ja nicht im Unterdeck aufhalten muss, kann ich der Fähre beim Anlegen zusehen. Draußen vor der Fähre wartet wieder der Bus auf uns, welcher die Fußgänger vom Hafengelände bringt. In wenigen Minuten ist der Bus am Terminal. Ich steige aus und begebe mich zu meinem Auto. Alles wäre jetzt so einfach, wenn denn dieser Parkautomat funktionieren würde. Zum Glück befindet sich eine nette Stimme am anderen Ende des Sprechfunks. Die Schranke wird manuell geöffnet und ich spare mir die Parkkosten. Nach diesem kleinen Zwischenfall geht es nun zurück nach Berlin.

Danmark, wir sehen uns wieder!